Impulse für die Zukunft der Betoninstandhaltung

Rückblick auf das 32. Fachsymposium „Betoninstandhaltung heute für die Zukunft“

Der voll besetzte Goldsaal
Der voll besetzte Goldsaal

Das 32. Fachsymposium „Betoninstandhaltung heute für die Zukunft“ am 29. Januar 2026 in Dortmund machte deutlich, dass die nachhaltige Sicherung der Betoninstandhaltung nur im Zusammenspiel von qualifizierten Fachkräften, praxistauglichen Regelwerken, rechtlicher Sicherheit und verantwortungsvollem Handeln im Bestand gelingen kann. Die Vorträge spannten dabei einen weiten Bogen von strategischen Zukunftsfragen über technische und normative Entwicklungen bis hin zu rechtlichen, ökologischen und persönlichen Erfolgsfaktoren.

 

 

Sebastian Fink
Sebastian Fink

In seiner Begrüßung zum Fachsymposium der LIB NRW e. V. unterstreicht der Vorsitzender der LIB NRW e. V. Sebastian Fink, (Technischer Leiter der SBS GmbH in Mülheim), die stark gewachsene Bedeutung der Betoninstandhaltung. Während Schäden an Brücken und Verkehrsbauwerken zunehmend im öffentlichen Fokus stehen, rückt auch die Instandhaltung anderer Bauwerke immer stärker ins Bewusstsein von Medien, Auftraggebern und Fachöffentlichkeit. Die Betoninstandsetzung habe damit „den Schritt aus der Nische ins Rampenlicht vollzogen“, so Fink. Umso wichtiger sei der fachliche Austausch über Lösungsansätze und Zukunftsstrategien, wie er im Rahmen des Symposiums ermöglicht werde. „Die hohe Resonanz mit 392 angemeldeten Teilnehmern und 36 Ausstellern aus allen Bereichen der Betoninstandhaltung belegt eindrucksvoll die Relevanz der Veranstaltung“, betont Fink. Sie zähle damit zu den teilnehmerstärksten Fachsymposien bundesweit und spiegele zugleich die positive Entwicklung der LIB NRW wider, die seit ihren Anfängen Anfang der 1990er-Jahre mit wenigen Dutzend Zuhörern kontinuierlich gewachsen sei.

 

 

Univ.-Prof. Dr. Michael Helmus
Univ.-Prof. Dr. Michael Helmus

Einen wichtigen inhaltlichen Schwerpunkt des Symposiums setzte Univ.-Prof. Dr.-Ing. Manfred Helmus von der Bergischen Universität Wuppertal mit seinem Beitrag „Fachkräftegewinnung für ausführende Betriebe und Ingenieure für Ingenieurbüros und Behörden im Bereich der Betoninstandsetzung“. Ausgehend von aktuellen Kennzahlen zu Energie- und Rohstoffpreisen, wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und dem demografischen Wandel zeigte er eindrücklich auf, unter welchem strukturellen Druck die Bauwirtschaft steht. Besonders im Baugewerbe wird der Fach- und Führungskräftemangel durch eine überalternde Belegschaft, rückläufige Studentenzahlen im Bauingenieurwesen und eine weiterhin geringe Frauenquote deutlich.

Vor diesem Hintergrund stellte Prof. Helmus die Ergebnisse des vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat geförderten Forschungsprojekts „Moderne Bauleitung (MOBAU)“ vor. Ziel war es, praxisnahe Arbeitsmodelle für kleine und mittelständische Unternehmen zu entwickeln, die sowohl Produktivität und Qualität auf der Baustelle sichern als auch die Attraktivität der Bauleitung als Berufsfeld erhöhen. Die empirische Basis bildeten bundesweite Studentenbefragungen sowie umfangreiche Experteninterviews mit Bauleiterinnen und Bauleitern, Geschäftsführungen sowie Vertreterinnen und Vertretern von Kammern und Verbänden.

Die Ergebnisse verdeutlichten eine klare Diskrepanz zwischen den Erwartungen junger Nachwuchskräfte und der Realität in der Baupraxis. Während Themen wie zeitliche Flexibilität, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, persönliche Weiterentwicklung und Digitalisierung an Bedeutung gewinnen, ist die Bauleitung häufig von langen Arbeitszeiten und Mehrfachbelastungen geprägt. Als Lösungsansatz übertrug Prof. Helmus das Konzept von „New Work“ auf die Bauwirtschaft und postulierte modulare Handlungsoptionen wie flexible Arbeitszeitmodelle, mobile Arbeitsorte, transparente Arbeitszeitdokumentation, neue Vergütungs- und Bonifikationssysteme sowie gezielte Entlastungsinstrumente. Die praxisnahe Validierung zeigte überwiegend positive Effekte auf Produktivität, Effizienz und Mitarbeiterzufriedenheit und unterstrich die strategische Bedeutung moderner Arbeitsmodelle für die Zukunftsfähigkeit der Branche.

 

 

Dipl.-Ing. Siegfried Bepple
Dipl.-Ing. Siegfried Bepple

An die strategisch-personellen Fragestellungen schloss sich der fachlich-technische Block an. Dipl.-Ing. Siegfried Bepple (GQ Quadflieg Bau GmbH) gab einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der Regelwerke in der Betoninstandsetzung. Im Mittelpunkt standen Anpassungen der VOB/C ATV DIN 18349, insbesondere zu Nachweisen der Verwendbarkeit, zur Abgrenzung von Neben- und Besonderen Leistungen sowie zu präzisierten Abrechnungsregelungen. Darüber hinaus erläuterte Bepple den Stand der DAfStb-Richtlinie zur Verstärkung von Betonbauteilen, einschließlich der zunehmenden Berücksichtigung von Carbonbeton, sowie die derzeit in Überarbeitung befindliche Spritzbetonnorm. Neben inhaltlichen Klarstellungen wurden auch Anforderungen an Ausführung, Überwachung und Qualifikation des Personals thematisiert. Ein Ausblick auf die Weiterentwicklung der Instandhaltungsrichtlinie verdeutlichte den Trend hin zu stärkerer Praxistauglichkeit und Fokussierung auf wesentliche Anforderungen.

 

 

 

 

Dr. rer. nat. Diana Holzwarth
Dr. rer. nat. Diana Holzwarth

Einen weiteren zentralen Praxisaspekt beleuchtete Dr. rer. nat. Diana Holzwarth (ICP Rhein-Main GmbH, Frankfurt/Main) mit ihrem Vortrag „Gebäudeschadstoffe bei der Betoninstandsetzung“. Anhand von Erfahrungen aus der Praxis zeigte sie auf, dass Schadstoffe wie Asbest, PCB und PAK in Bestandsbauwerken häufig in Abdichtungen, Fugendichtstoffen, Beschichtungen, Abstandshaltern oder Fassadenplatten auftreten. Diese Stoffe stellen nicht nur ein erhebliches Risiko für Gesundheit und Umwelt dar, sondern beeinflussen auch Bauabläufe, Arbeitsschutzmaßnahmen und Entsorgungskosten maßgeblich. Dr. Holzwarth betonte daher die Notwendigkeit, bereits in der Planungsphase neben den Vorgaben der TR Instandhaltung auch die einschlägigen Regelwerke zur Arbeitssicherheit und fachgerechten Entsorgung – etwa LAGA-Vorgaben, PCB- und Asbestrichtlinien sowie die Ersatzbaustoffverordnung – konsequent zu berücksichtigen. Eine systematische Schadstoffanalytik als Bestandteil der Bestandsuntersuchung schafft Transparenz, macht Risiken beherrschbar und ermöglicht belastbare Instandhaltungs- und Entsorgungskonzepte. Im Kontext steigender Nachhaltigkeitsanforderungen wurde deutlich: Professionelles Schadstoffmanagement ist ein wesentlicher Baustein ressourcenschonenden Bauens im Bestand.

 

 

Ing. Tobias Dankert, M.Eng.
Ing. Tobias Dankert, M.Eng.
Ing. MBE Marek Köster
Ing. MBE Marek Köster

Die Brücke zwischen technischen Anforderungen und wasserrechtlichen Vorgaben schlug der Vortrag „Technik trifft Paragraf: Betoninstandsetzung im Einklang mit dem WHG“ von Ing. MBE Marek Köster (Hochbau Niederrhein GmbH, Emmerich / Mainka Bau GmbH, Lingen) und Ing. Tobias Dankert, M.Eng. (ARU Ingenieurgesellschaft, Lingen). Die Referenten beleuchteten die regelwerkskonforme Instandsetzung von Betonbauwerken im Anwendungsbereich des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) und der AwSV. Im Fokus standen die besonderen Anforderungen an Planung, Ausführung, Überwachung und Dokumentation von Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen sowie von HBV- und JGS-Anlagen. Deutlich wurde dabei das Spannungsfeld zwischen bautechnischer Lösung, Genehmigungsrecht und Betreiberverantwortung. Aktuelle Daten zum Zustand prüfpflichtiger Anlagen zeigten einen hohen Instandsetzungsbedarf, insbesondere bei Dichtflächen. Entsprechend betonten die Referenten die Bedeutung einer qualifizierten Planung, systematischen Zustandserfassung und verwendungsnachweisorientierten Systemauswahl. Ergänzt wurde der Vortrag durch praxisnahe Systembeispiele. Insgesamt wurde deutlich, dass eine rechtssichere Betoninstandsetzung im WHG-Umfeld nur durch das enge Zusammenspiel von Technik, Regelwerk und Dokumentation gelingt.

 

 

 

RA Michael Kirsch
RA Michael Kirsch

Juristische Perspektiven zur „Abnahme von Betoninstandsetzungsbaustellen“ ergänzte RA Michael Kirsch (Kirsch & Kollegen Rechtsanwälte, Aachen) mit seinem Vortrag. Im Fokus standen Zustandsfeststellung und Abnahme auf Grundlage des aktuellen Bauvertragsrechts gemäß §§ 650 a ff. BGB. Der Vortrag verdeutlichte die zentrale Rolle der Abnahme als Schnittstelle zwischen technischer Ausführung, Planung und vertraglichen  Grundlagen. Neben juristischen Aspekten wurden auch fachlich-technische Normen, wie das Zement-Merkblatt zu wasserundurchlässigen Bauwerken aus Beton, in den Kontext der Abnahme eingeordnet. Anhand anschaulicher Beispiele erläuterte Kirsch die Zusammenhänge zwischen „Sachfragen“ und „Rechtsfragen“ und zeigte auf, welche Anforderungen sich aus Planung und Vertrag für eine rechtssichere Abnahme ergeben. Ein Ausblick auf aktuelle Entscheidungen des 7. Zivilsenats des Bundesgerichtshofs rundete den Vortrag ab und unterstrich die wachsende Bedeutung rechtlicher Klarheit in der Betoninstandsetzung.

 

 

Joey Kelly
Joey Kelly

Motivation, Ausdauer und Haltung als Erfolgsfaktoren

Einen bewusst anders gelagerten, zugleich inspirierenden Schlusspunkt setzte der Impulsvortrag „NO LIMITS – Wie schaffe ich mein Ziel“ von Joey Kelly, Mitglied der Kelly-Familie. Der Unternehmer und Extremsportler schilderte eindrucksvoll seinen persönlichen Lebensweg, der geprägt ist von Ausdauer, klaren Zielen, mentaler Stärke und konsequenter Leidenschaft. Mit über 100 absolvierten Marathons, Ultramarathons und Ironman-Wettkämpfen – darunter ein bis heute bestehender Rekord von acht Ironman-Triathlons innerhalb eines Jahres – vermittelte er eindrücklich, welche Rolle Disziplin und Durchhaltevermögen spielen. Der Vortrag verdeutlichte, dass nachhaltiger Erfolg – auch in einer anspruchsvollen Branche wie der Bauwirtschaft – neben Fachkompetenz, Regelwerkssicherheit und rechtlicher Klarheit immer auch von persönlicher Haltung, Motivation und Resilienz getragen wird.

 

 

 

 

Ergänzend zu den Vorträgen boten 36 Aussteller den Teilnehmern die Möglichkeit, sich über neueste Produkte, Produktentwicklungen und Dienstleistungen rund um die Betoninstandsetzung zu informieren. Dies war gleichzeitig eine gute Gelegenheit für Networking und vertiefende Gespräche.

 

Save the date: Der Termin für das 33. Fachsymposium „Betoninstandhaltung heute für die Zukunft“ ist bereits geplant und wird am 2. Februar 2027 wie gewohnt im Kongresszentrum der Dortmunder Westfalenhalle stattfinden. Das Programm des 33. Fachsymposiums und alle anderen wichtigen Details dazu können rechtzeitig vorher unter www.lib-nrw.de abgerufen werden.

Ansprechpartner für die Presse
Dipl.-Ing. Frank Pawlik
Geschäftsführer
Landesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken NRW e. V.

Sitz der Geschäftsführung:
Krefeld
Bökendonk 15
47809 Krefeld
Tel.: +49 2151 5155-34
Fax: +49 2151 5155-98
info@lib-nrw.de
www.lib-nrw.de

 

Die Referenten von links nach rechts: Dipl.-Ing. Frank Pawlik (Geschäftsführer Landesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken NRW e. V.), Dipl.-Ing. Siegfried Bepple (GQ Quadflieg Bau GmbH), RA Michael Kirsch (Kirsch & Kollegen Rechtsanwälte, Aachen), Sebastian Fink (Vorsitzender der LIB NRW e. V. und Technischer Leiter der SBS GmbH in Mülheim), Dr. rer. nat. Diana Holzwarth (ICP Rhein-Main GmbH, Frankfurt/Main), Ing. MBE Marek Köster (Hochbau Niederrhein GmbH, Emmerich / Mainka Bau GmbH, Lingen), Ing. Tobias Dankert, M.Eng. (ARU Ingenieurgesellschaft, Lingen), Univ.-Prof. Dr.-Ing. Manfred Helmus von der Bergischen Universität Wuppertal und Joey Kelly, Mitglied der Kelly-Familie
Die Referenten von links nach rechts: Dipl.-Ing. Frank Pawlik (Geschäftsführer Landesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken NRW e. V.), Dipl.-Ing. Siegfried Bepple (GQ Quadflieg Bau GmbH), RA Michael Kirsch (Kirsch & Kollegen Rechtsanwälte, Aachen), Sebastian Fink (Vorsitzender der LIB NRW e. V. und Technischer Leiter der SBS GmbH in Mülheim), Dr. rer. nat. Diana Holzwarth (ICP Rhein-Main GmbH, Frankfurt/Main), Ing. MBE Marek Köster (Hochbau Niederrhein GmbH, Emmerich / Mainka Bau GmbH, Lingen), Ing. Tobias Dankert, M.Eng. (ARU Ingenieurgesellschaft, Lingen), Univ.-Prof. Dr.-Ing. Manfred Helmus von der Bergischen Universität Wuppertal und Joey Kelly, Mitglied der Kelly-Familie

 

Bildnachweis: LIB NRW e. V.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit nutzen wir das generische Maskulinum, aber natürlich sind damit sowohl Männer als auch Frauen gemeint.